Hier
noch der ZEUS-Text, wie er in der NRZ erschienen ist:
Schimpfe
für Schwangere
Lautes
Geschrei, Windeln wechseln und regelmäßiges Füttern – Sachen, mit denen
Erwachsene schon teils überfordert sind. Doch wie kommt eine 14jährige Mutter
damit klar?
Manche
schaffen es nicht, andere mit großem Erfolg, doch wie tolerant sind wir
Deutschen in dieser Beziehung?
Wir
haben uns für einen Tag, als Schwangere verkleidet, auf die Essener Straßen
getraut mit mehr oder weniger erstaunlichen
Ergebnissen.
Wir
haben festgestellt, dass nur ein kleiner Bruchteil der Leute gar nicht reagiert
hat. Die meisten haben verblüfft oder sogar geschockt geguckt. Viele haben uns
sogar tuschelnd hinterher geschaut. Doch es gab auch sehr positive Reaktionen.
Leute, die uns Glück gewünscht haben und uns
gratulierten.
Insgesamt war es sehr merkwürdig, doch auch lustig zu
sehen, wer wie reagiert.
Besonders ältere Leute zeigten sich unverhohlen
schockiert, starrten uns mit großen Augen an und empörten sich über uns junge
Schwangere. Doch die härteste Reaktion bekamen wir bei ausländischen, meist
muslimischen Menschen zu spüren. Ganz offensichtlich fanden sie unsere
Schwangerschaft und den Akt davor als riesengroße Schande. Wenn Blicke töten
könnten: diese Blicke hätten es zweifelsohne
getan.
Bei
unserem Spaziergang durch die Essener Innenstadt befragten wir 50 Passanten über
ihre Meinung in Sachen „minderjährige Mütter“. Tatsächlich sagten zwei Drittel
der Befragten, dass Teenies nicht in der Lage seinen, sich vernünftig um ihre
Kinder zu kümmern – ab finanziell wie auch emotional. Dabei fiel auf, dass die
Leute wenig Mitleid für die Mütter hegten. Eine Passantin meinte: „Wer Sex
machen kann, muss auch verhüten können.“ Viel eher hatten die Befragten Angst um
die Erziehung der Kinder. Sogar „Schlampe“ wurde uns hinterher
gerufen.
Doch um
die Deutschen nicht ganz so intolerant erscheinen zu lassen, müssen wir auch
erwähnen, dass ein Drittel der Befragten positiv auf die gespielte
Schwangerschaft reagierten. Sie meinten, sie hätten rein gar nichts dagegen,
allerdings käme es auch auf das soziale Umfeld der Mutter an. Auf unsre Frage:
„Was halten sie von minderjährigen Müttern?“ antwortete eine 21-Jährige:
„Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, es gibt aber solche und solche.
Manche packen’s, manche nicht. Ich habe eine Freundin, die kommt gar nicht klar
damit. Ihr Kopf ist immer schon auf der nächsten Party anstatt bei ihrem Kind.
Eine andere ist aber eine klasse Mum. Die Eltern haben aber auch eine Mitschuld:
Man muss sein Kind richtig aufklären und über Verhütungsmittel reden, für so was
gibt’s die Pille danach.“
Ihrer
Meinung waren auch viele andere.
Eine
besonders nette Aussage bekamen wir von einer 30-jährigen deutschen Frau, die
sogar meinte, dass Jugendliche oft bessere Mütter seien als
Erwachsene.
Insgesamt sind wir der Ansicht, dass Jugendliche ihre
Freizeit genießen sollten. Wir sagen nicht, dass sie nicht in der Lage wären,
ein Kind zu erziehen. Wir meinen eher, dass sie auf Partys gehen und sich mit
Freuden treffen sollten. Dass sie eben erstmal nur Verantwortung für sich selbst
haben und nicht noch für ein kleines Kind.
Sophie
Blöcker, Nadine Kadura, Karina Sauer, Klasse 8d, Gymnasium
Nord-Ost