Weimar 2010, Kulturhauptstadt 1999 – ein Reisebericht von Juliette Nieradzik. JgSt.12
Donnerstag, 6.45 Uhr am GENO. Es ist dunkel, es ist kalt und wir warten gespannt auf den Bus.
Unser Kurztripp nach Weimar mit Frau Beirau-Müller und Herrn Albrecht beginnt. Nach einer Pause an der "Erlebnis-Raststätte" Eisenach und ca. 5 Std. Fahrt erreichen wir Weimar und unsere Herberge "Germania".
Weimar, eine Stadt voller Kultur.
Im Zentrum der Stadt, vor dem Nationaltheater, mit einem vor den Türen erbauten Denkmal Goethes und Schillers, beginnt unsere Stadtführung. Um nicht auszurutschen, tippelten wir mit kleinen Schritten durch die Stadt, über den Jakobsfriedhof und zuletzt in den Park an der Ilm.
Auf der anderen Seite des Ufers sehen wir Goethes Gartenhaus und unsere Tourleiterin zitiert Goethes Gedicht über den in Weimar beliebten Gingko-Baum.
Ginkgo Biloba
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin ?
(1815)
Am nächsten Tag besichtigten wir das Konzentrationslager Buchenwald. Nach einem Einführungsfilm begaben wir uns in verschiedene Teile, um einen näheren Eindruck zu gewinnen. Ein großes Torgebäude umfasste den Ein- und Ausgang des Häftlingslagers. Das abgeschmiedete Lagertor trägt die Inschrift "Jedem das Seine", so dass es von jedem Häftling zu lesen war. Ein undurchdringliches Sicherheitssystem aus Lagerzaun und Wachtürmen machte ein Entkommen unmöglich. Das Versuchslabor, in dem bestialische und unmenschliche Experimente an den Häftlingen gemacht wurden, das Krematorium, indem die sterblichen Überreste der Toten verbrannt wurden und die perfide Tötungsanlage in einem Pferdestall entsetzten uns alle. Im Bus zurück dauerte es einige Zeit, um die bedrückte Stimmung zu überwinden.
Nachmittags besuchten wir die
Anna-Amalia-Bibliothek voller Bücher, von denen wir leider keine anfassen
durften. Man erzählte uns von ruhigen Sitzecken, in denen man schmökern konnte und
Archiven mit weiteren Büchern, doch gesehen haben wir davon leider nichts. Dennoch die
Vorstellung daran war sagenhaft, doch leider unvorstellbar.
Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung, den viele mit Theater oder Museumsbesuchen nutzen.
Am dritten Tag traten wir unsere Rückreise an. Doch besichtigten wir vorher noch das barocke Wohnhaus Goethes, in dem er mit seiner Lebengefährtin Christiane Vulpius und Sohn August lebte. Goethe starb 1832 und hinterließ eine umfangreiche Sammlung von mehr als 7000 Büchern.
Mittags machten wir einen letzten Stopp
an der Wartburg in Eisenach. 1521 begab sich Martin Luther ins Exil in die Wartburg. In den Monaten
seiner Schutzhaft lebte und arbeitete er in einer kargen Zelle, der heutigen
Lutherstube, und übersetzet
in nur 10 Monaten das neue Testament. Im Dezember 1999 wurde die Wartburg von
der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Die
ausführliche Führung durch den Speisesaal, das Frauengemach, das die Geschichte
der heiligen Elisabeth mit Mosaiksteinen an den Wänden erzählt, und vielen
anderen Räumen, die man sich am besten selbst anschaut, brachte uns die
damalige Zeit näher.
Zurück im Bus und fast zuhause. Naja, nur fast, eine lange Rückfahrt mit schlafen, plaudern und singen lag noch vor uns .
Spaß und Kultur brachte uns die Reise nach Weimar und es ist nur zu empfehlen, selbst hin zufahren.
Eigenheiten, die werden schon haften; Kultiviere deine Eigenheiten.
(Johann Wolfgang von Goethe)


