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Theaterprojekt in Frankfurt

 

Vom 24. bis zum 29. April nahm eine Gruppe von sechs Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgangsstufen 10 bis 12 an einer deutsch-französischen Begegnung teil, die im Rahmen des jährlich in Frankfurt am Main stattfindenden Theaterfestivals „Starke Stücke“ stattfand.

Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte es sich das deutsch-französische Jugendwerk zum Ziel gesetzt, Jugendliche sowohl mit Begeisterung und Erfahrung im Bereich des Theaterspielens als auch mit guten Sprachkenntnissen und Interesse an der Begegnung mit Gleichaltrigen des Nachbarlandes zusammenzuführen. Vor diesem Hintergrund sollten persönliche Kontakte geknüpft, neue Erfahrungen im Bereich des Theaters gesammelt und v.a. an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet werden. Fahrt- Unterbringungs- und Verpflegungskosten sowie sämtliche Projektkosten wurden vom deutsch-französischen Jugendwerk übernommen, dem wir an dieser Stelle erneut herzlich danken wollen.

Neben unserer Gruppe wurden zwei weitere aus Deutschland, nämlich aus Heilbronn und Frankfurt, sowie drei weitere aus Frankreich ausgewählt, an dem Projekt teilzunehmen: Mit von der Partie war eine Gruppe aus Straßburg, eine aus Amiens und eine weitere aus Bordeaux.

 

Während der fünf Tage kamen wir in den Genuss eines äußerst anspruchsvollen und anregenden Programms, das uns nicht nur Frankfurt entdecken, sondern uns v.a. vielfältigste und neue Erfahrungen im Bereich der Rezeption und Produktion von Theater erfahren ließ. Jeden Tag leiteten professionelle Theaterpädagoginnen Theaterworkshops in beiden Sprachen, in denen jeweils eine deutsche und eine französische Gruppe zusammenarbeiteten. Dabei kamen wir unseren französischen Freuden auf anspruchsvolle Weise näher, und es wurden zahlreiche enge Kontakte geknüpft.  Am Abend standen dann stets Theaterbesuche auf dem Programm, welche uns die verschiedensten Genres des Theaters kennen lernen ließen. Häufig fanden im Anschluss Diskussionen mit Schauspielern und Dramaturgen statt und nach dieser Woche fühlten wir uns als wahre Theaterkenner.

Den krönenden Abschluss bildete die Aufführung unserer Workshopergebnisse am letzten Abend, welche im Frankfurter Karmeliterkloster vor wichtigen Persönlichkeiten der Frankfurter Kulturszene sowie der Präsidentin des deutsch-französischen Jugendwerkes stattfand.

Der Abschied am letzten Tag fiel schwer, und wir hoffen sehr, dass wir mit der Truppe aus Straßburg auch in Zukunft weitere Theaterprojekte durchführen werden.


Die deutsch-französische Begegnung

 

Jeden Tag besuchten wir, die 36 französischen und deutschen Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Projektes, Workshops, in denen wir  durch Aufwärmübungen und die gemeinsame Erarbeitung kleiner Szenen, die wir im alltäglichen Leben in Frankfurt  beobachtet hatten, den Franzosen näher kamen.

Auch durch den intensiven Austausch über die gemeinsam gesehenen Theaterstücke lernten wir einander immer besser kennen.

 

Natürlich kamen wir uns auch privat näher, weil wir über unsere Familien geredet und anschließend unsere E-Mail-Adressen ausgetauscht haben, um unseren Kontakt aufrechtzuerhalten. Denn wir planen ein Wiedersehen mit der Gruppe aus Amiens, wenn wir im Juli nach Paris fahren. Im September kommt die Truppe aus Amiens zudem nach Bochum, wo wir uns ebenfalls wiedertreffen  möchten.

 

Die meiste Zeit haben wir Französisch und Deutsch geredet, immer im Wechsel. Außerdem sind wir gemeinsam mit allen sechs Gruppen nach den abendlichen Theaterbesuchen ausgegangen.  Jeder hat für eine gute Stimmung gesorgt: Spiele wurden gespielt, Lieder gesungen und vieles mehr. Alles hat richtig großen Spaß gemacht.


Unser Ziel ist es, den Kontakt beizubehalten und die Freundschaft weiterhin zu bewahren. Zudem planen wir für die Zukunft ein Theaterprojekt mit der Gruppe aus Straßburg,

Vivre le théâtre!

Eine Woche Theater: Abend für Abend fanden wir uns vor der Bühne wieder. Wer hätte jemals gedacht, dass Theater so abwechslungsreich sein kann? Wir besuchten ein Tanztheater, klassisches Theater, Puppentheater, Akrobatiktheater sowie ein englisches Mitmachtheater, in dem die Zuschauer zu Schauspielern wurden.
Am Samstag besuchten wir das Tanztheater "Strange Days, indeed", von jungen Menschen für junge Menschen gespielt und aufgeführt von einer Baseler Theatergruppe. Da wurde geschwitzt und geschrien, dass dem Zuschauer selbst ganz heiß wurde. In dem  Theaterstück wurden Gesellschaftsprobleme angesprochen wie die Reduzierung der Medien auf das Produzieren von Sinnlosigkeiten und die Vereinzelung des Menschen, dessen vornehmliches Streben darin besteht, außergewöhnlich sein zu wollen, wobei er jedoch nur noch in der Lage ist, übernommene Phrasen vorzubringen.

Sechs Jugendliche wirbelten über die Bühne und stellten überzeugend das Theaterstück dar. Mal ruhig und mal leidenschaftlich wurde das Publikum begeistert. Mehrfach wurden die Kleider und die Frisuren vor der  Bühne gewechselt, und die jungen Schauspieler zeigten die Suche nach der Identität von Jugendlichen auf gleichzeitig überzeugende und erschreckende Art und Weise.

Das Stück startete überraschend und plötzlich, sodass man nicht direkt wusste, ob das Theater begonnen hatte. Auch war es ungewohnt, dass ziemlich brutale und widersinnige Nachrichtenschnipsel vorgelesen wurden. Am Ende des Stücks blieb der Zuschauer überwältigt zurück.
Durch ein Gespräch mit dem Dramaturgen des Theaterstückes haben wir erfahren, dass die skurrilen und bizarren Nachrichten der Wahrheit entsprachen und die Schauspieler diese im Laufe der Zeit  aus Zeitungen gesammelt hatten. Zudem haben wir zu unser aller Staunen herausgefunden, dass die Tänze, welche sehr ausdrucksvoll waren, von den Jugendlichen selber mit dem belgischen Choreografen Ives Thuwis entwickelt worden waren. Dabei handelte es sich nicht um professionelle Tänzer, sondern um Laien.

Eins ist uns doch sehr stark in Erinnerung geblieben:
Der tropfende Schweiß, welcher den Tänzern im Gesicht herunterlief, und der Schweizer Dialekt, welcher uns Deutschen das Verstehen erschwerte, von den Verständnisproblemen der Franzosen ganz zu schweigen. Nichtsdestotrotz waren wir erstaunt zu sehen, wie wenig wichtig die Sprache sein kann, um im Theater eine Botschaft zu übermitteln.

Insgesamt war dieses Theaterstück sehr lehrreich und schockierend zugleich, sodass es lebhafte Diskussionen unter Deutschen und Franzosen auslöste und wir sehr lange unter seinem Einfluss blieben.

 

Wir waren nicht nur im Theater, sondern nahmen auch täglich an Theater-Workshops teil.

Wir hatten drei Workshopleiterinnen, und es haben sich jeweils eine deutsche und eine französische Gruppe zusammengetan und mit einer Leiterin die Woche über gearbeitet.

Der Workshop begann stets mit einem Aufwärmprogramm, durch welches man sich für die „eigentlichen“ Proben und Aufführungen vorbereiten konnte.

Bei diesen Übungen versucht man Grimassen zu ziehen, seinen Mund zu lockern, verschiedene Posen durchzugehen und im Rhythmus seinen Körper abzuklopfen, um seine Hemmungen abzulegen.

Nachdem wir uns aufgewärmt hatten, wurden wir meistens zu weiteren Theaterübungen angeleitet.

Durch Phantasie und Kreativität wurden Regenschirme zu verschiedensten Alltagsgegenständen umfunktioniert und mit ihnen Situationen aus unserem Leben nachgespielt.

Während der ganzen Zeit hatten wir die Möglichkeit, aus uns herauszugehen und sehr viel Spaß zu haben.

Ein großes Thema waren absurde Schlagzeilen aus diversen Medien, die wir dann sangen, schrieen, flüsterten, stöhnten, heulten und noch auf verschiedenste Art spielten.

Wir experimentierten viel mit körperlicher Darstellung von Gefühlen durch Tanz und Musik. Dabei bekam jeder von uns eine Postkarte, die man durch langsame, schnelle, intensive, lockere, kleine und große Bewegungen „nachtanzen“ konnte.

Wenn wir mal erschöpft eine Pause benötigten, wurde bei „Wasser und Keks“ geplaudert und eine Nähe zu den Franzosen und Französinnen aufgebaut.

 


 

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Publiziert am: Montag, 28. Juni 2010 (149 mal gelesen)
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