Meine Mitarbeit im Förderverein begann mit dem Schuljahr 1989. Mein jüngster Sohn war gerade in die 5a des Gymnasiums aufgenommen worden. Und mich hatte man zum Klassenpflegschaftsvorsitzenden der 5a gewählt. Sie hatte als Klassenlehrer Herrn Kimmeskamp. Da sprach mich Dr. Schomaker, damals Leiter des Gymnasiums, an, ob ich nicht in den Förderverein des Gymnasiums eintreten wollte. Dieser Förderverein bestand seit August 1969. Er sei, so Dr. Schomaker, auch ein Symbol der positiven Zusammenarbeit aller Mitglieder der Schulgemeinde. Wenn das so ist – ich ließ mich darauf ein, und es wurde daraus eine 18jährige Mitarbeit als Vorsitzender des Fördervereins.Der Förderverein war in den letzten Jahren vor meiner Mitgliedschaft nicht sehr aktiv gewesen. Seine Satzung veraltet. So musste der neu gewählte Vorstand als erstes eine neue Satzung schaffen und juristisch absichern lassen. Der neue Vorstand? Das waren bis 1993 die Herren Dr. Schomaker (als Schulleiter geborenes Mitglied im Vorstand), der stellvertretende Vorsitzende, der Schatzmeister, die Schriftführerin, Frau Schwärzel und ich. Kern der neuen Satzung wurde der §2. Darin heißt es, dass der Verein „das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen Schule, Eltern, ehemaligen Schülern und Freunden der Schule erhalten und fördern, die Schüler betreuen, zur Verbesserung der äußeren Schulverhältnisse beitragen und die Schule in ihrer unterrichtlichen und erzieherischen Bestrebung unterstützen“ soll.
Der neue Vorstand machte sich also daran, den Förderverein wieder zu aktivieren. Was daraus wurde, will ich mit meinem Erfahrungsbericht, quasi am Inhalt des §2 der Satzung abgleichen. Und damit komme ich sofort zur ersten, nahezu grundsätzlichen, meiner Erfahrung. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erhalten und zu fördern, war dem Verein, wenn überhaupt, nur theoretisch möglich und zwar durch seine Tätigkeitsberichte (in den verschiedenen Veröffentlichungen der Schule, vor allem den Jahrbüchern), Appelle, Mitglied zu werden und Briefe an die Mitglieder. Persönlich erfuhr ich selten eine Reaktion auf diese schriftlichen Versuche. So konnte ich nur hoffen, dass sie dennoch die erwünscht Wirkung hatten oder mindestens nachdenklich machten. Die Realität war und ist, dass die Mitgliederzahl in all den Jahren sich ungefähr bei der Zahl 250 einpendelte. Der Vorstand konnte z.B. nie erreichen, dass das gesamte Kollegium des Gymnasium Mitglied geworden wäre, obwohl man die Hilfen des Fördervereins wie selbstverständlich gerne in Anspruch nahm. So fiel auch eine wichtige Werbemöglichkeit für den Verein durch Lehrer bei Eltern und Schülern fort. Dazu kam, dass viele Eltern (oder Schüler) , wenn ihr Kinder die Schule mit dem Abitur verließen, aus dem Verein austraten.
Es gibt sicher ehemalige Schüler und auch Freunde der Schule. Sie blieben dem Verein jedoch fern. Was nicht heißt, dass sie der Schule nicht auf irgendeine Weise Hilfen gaben. Das hatte dann aber auch wenig mit dem Förderverein und seinen Zielen zu tun. Also das Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhalten und zu fördern, bleibt nach wie vor Ziel, geschieht in seinen Versuchen jedoch nur auf der Ebene der Information und ohne wirkliche Ergebniskontrolle.
Die Schüler „betreuen“! Dieses Wort bedeutet seiner Herkunft nach „in Treue erhalten, schützen.“ Darin hat der Verein in den Jahren meiner Tätigkeit praktisch wenig tun können. Auch hier musste er auf der Informationsebene, das heißt mit Worten, versuchen so etwas wie einen ideellen Schutz zu bewirken, indem er z.B. in seinen Texten auf den Gemeinschaftsgeist in der Schule hinwies, gegen Mobbing Stellung bezog oder gegen Gewalt in der Schule (siehe Text im Jahrbuch 1996).
Zur „Verbesserung der äußeren Schulverhältnisse beitragen.“ Damit ist gemeint, was die Schule materiell darstellt, welche Qualität ihr Image hat, und wie es in die Stadt hineinwirkt. Hier konnte der Verein praktisch helfen. Er tat das durch die Vermittlung von Kooperationspartnern. Die Mitglieder des Vorstandes und ihre Beziehungen zur Stadt, zu Institutionen und zur Wirtschaft bewirken, dass finanzielle und materielle Hilfen dem Gymnasium Nord-Ost zuflossen. Beispiele hierzu als Ergebnis sind:
- die Einrichtung der Schulbibliothek durch Auflösung und Übernahme der Bücher einer Stadtbibliothek (1991);
- das Projekt Gesundheitsförderung mit Hilfe der AOK und des Essener Sportbundes (ESPO); es wurde dafür ein Gymnastikraum in einem der Pavillons eingerichtet (1996);
- die Einrichtung einer 2 jährigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit Hilfe des ESPO und des Arbeitsamtes Essen für die Schulhof- und Schulgeländegestaltung (1995/1996);
- Errichtung der Kleinsportanlage hinter der Sporthalle mit Hilfe der Sparkasse und des ESPO (2003);
- Bau der Beachvolleyball-Anlage mit Hilfe der Sparkasse und des ESPO (2005);
- Die Rampe für behinderte Schüler vor dem neuen Café (2007)
„Die Schule in ihren unterrichtlichen und erzieherischen Bestrebungen unterstützen.“ Hier hat der Förderverein Spenden und Beitragsmittel unmittelbar der Schule/dem Unterricht zur Verfügung gestellt. Ohne zu übertreiben lag in all den Jahren meiner Vorstandstätigkeit hier der Schwerpunkt der Förderung. Viele tausend DM und Euro sind hier dem Schulbetrieb übermittelt worden. Als Beispiel sei das Jahr 2001 angeführt (siehe Jahrbuch 2001). Finanzielle Hilfe wurde geleistet:
| für Klassenfahrten | 2.182.00 DM |
| für Lehrefortbildung | 843.00 DM |
| für Tischtennisplatten | 2.267.00 DM |
| für Schülerexperimentierkästen (Physik) | 7.368.88 DM |
| für Neigungsgruppen | 1.334.00 DM |
| für Übernahme Fahrtkosten zu Schulsportveranstaltungen | 402.60 DM |
So bleibt als Resumé, dass es immer die praktischen Probleme im Schulalltag sind, welche auch die Hilfen des Fördervereins notwendig machen. Von Vorhängen im Pädagogischen Zentrum bis zum PC-Schulradio – es fließen schnell und unkonventionell die vom Förderverein aufgebrachten Gelder (und das sind die der Mitglieder) in Maßnahmen, die mehr oder weniger die „unterrichtliche Bestrebungen“ unterstützen. Sie sind auf ihre Weise Mosaiksteine, welche dem Mosaik „Lebensraum Schule“ erst das ganze Bild schaffen.
In der sich so aus der Förderpraxis ergebenden Polarität „äußere Schulverhältnisse verbessern“ und „unterrichtliche Bestrebungen unterstützen“ mit ihren praktischen Ergebnissen – lässt sich vermuten – kann auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Eltern, Schülern und Lehrern wachsen. Meine Hoffnung ist, dass vor allem Eltern und Lehrer begreifen, dass der Förderverein ihr Instrument ist, um mit zu gewährleisten, was der ehemalige Schuleiter und jetzige Vorsitzende desFördervereins, Herr Stief, so ausdrückt: „Versucht, Schule so zu machen, dass sie nicht nur eine Chance, sondern immer auch eine zweite Chance bietet. Ein Gymnasium mit Menschlichem Antlitz.“*
*Aus Südanzeiger 28.02.2007


